Werbung Madrid
23. April 2014
Ihre Zeitung Aktuelles aus Spanien Wissenswertes
  An die Tomaten, fertig, los!
 
 
 
Esther Spari
Von Berlin mit ERASMUS in den Süden Spaniens. Land und Leute ins Herz geschlossen, also noch ein Weilchen länger geblieben. Auf ging´s nach Madrid, (...)


Buñols jährliche Strassenschlacht "La Tomatina":

Eine Rakete schiesst pünktlich um 11.00 Uhr in die Luft, und die Plaza del Pueblo in Buñol, Region Valencia, verwandelt sich in ein regelrechtes Schlachtfeld. Bis an die 30.000 Teilnehmer aus aller Welt zieht das Fest an, und Tonnen von Tomaten im Wert von bis zu 120.000 Euro kommen zum Einsatz. Wo hat diese gigantische Tomatenschlacht ihren Ursprung, und was hat es mit der Begeisterung für sie auf sich?

(Aaron Corey / Flickr) -

Die Tomaten sind los: Jedes Jahr in der letzten Augustwoche verwandelt sich die valencianische Stadt Buñol in ein Meer roter Wurfgeschosse.

Ersteres lässt sich noch relativ einfach erklären: Anfang der 1940er Jahre langweilte sich eine Gruppe von Jugendlichen bei lokalen Feierlichkeiten und es brach eine feindliche Tomatenschlacht aus. Man musste die Gruppen auseinanderzerren und sie für verursachte Schäden verantwortlich machen. Aber die Rauferei hatte unter den jungen Leuten für Begeisterung gesorgt, und so kam es im Jahr darauf erneut dazu - ebenso in den Folgejahren. Ein Jahrzehnt später, 1950, gab es zum ersten Mal eine offizielle Erlaubnis von der Stadtführung für die Schlacht mit Tomaten. Aber weil das Fest nicht ganz friedlich verlief und unbeteiligte Passanten, sowie Beamte, beworfen wurden, zog man die Genehmigung zurück. Davon unbeeindruckt setzte sich der neue Brauch jedoch fort, so dass es 1959 zu einer erneuten, offiziellen Erlaubnis kam. Man behielt sich allerdings vor, einige Regeln einzuführen, an die sich heute jeder ehrenhafte Mitstreiter hält:

1) Zeitlich ist die Schlacht auf die Stunde zwischen 11.00 und 12.00 Uhr begrenzt.

2) Sie wird mit einem Raketenschuss begonnen, als auch beendet und wer danach noch zur Tomate greift, muss auf polizeiliche Strafen gefasst sein.

3) Um Verletzungen zu verhindern, kommen ausser reifen, vor dem Wurf zerdrückte Tomaten, keine anderen Wurfgegenstände zum Einsatz.

Weltweite Berichterstattung

Klingt simpel - ist es scheinbar auch, denn in den letzten Jahren verlief die Schlacht unter den gegebenen Umständen immer friedlich und nach Plan. So friedlich gar, dass das Fest anfing sich herumzusprechen und immer mehr Leute Gefallen an der spassigen Tomatenschlacht fanden. Ohne viel Aufwand oder Werbeaktionen zog die Stadt Buñol mit ihrer eigensinnigen Tradition von Jahr zu Jahr mehr Menschen an, so dass weltweit die Presse "von der Sache Wind bekam." Heute lassen es sich selbst die ganz Grossen unter den internationalen Nachrichten-und Fernsehagenturen - Reuters, Associated Press, Skynews, CBS News - nicht nehmen, vor Ort direkte Bericherstattung zu leisten, was der Stadt wiederum eine Menge Geld einbringt. Reiseagenturen bieten eigens zum Fest günstige Touristenpakete inlusive Flug und Hotelunterbringung an und die Suchmaschine Google hat im letzten Jahr zum Tag des Festes sein Logo verändert und es in eine Tomatenschlachtszene verwandelt.

Event mit Schlammschlacht-Charakter

Trotz kontroverser Stimmen, die sich erheben und die Verschwendung der Vitamin C - und nährstoffreichen Tomaten in Zeiten von weltweiten Hungernöten kritisieren, findet das Fest jedes Jahr mehr und mehr begeisterte Teilnehmer. Erklärungen dafür sind wie gewöhnlich vielzählig wie Sand am Meer. Vielleicht liegt es am kindlichen Sinn für Schlammschlachten, der in jedem von uns - besonders aber in der männlichen Population - zu schlummern scheint. Immerhin sind die männlichen Teilnehmer eindeutig in der Mehrheit, obwohl nur reife, zerdrückte und somit relativ harmlose, Tomaten verwendet werden. Hinzu kommt natürlich die offizielle Genehmigung, durch die man(n) ungehemmt mit jeder Tomate, die einem in die Hände kommt, drauflos werfen kann, ohne sich um spätere Beschwerden sorgen zu müssen. Der friedliche Ruf des Festes nimmt dann selbst den letzten Zögerern ihre Zweifel.

Rot, rot, rot sind alle ihre Kleider

Auf nationaler Ebene hat die "Tomatina" 1983 ihren Bekanntheitsgrad enorm gesteigert, als der damals berühmte Journalist Javier Basilio Pérez Martínez in einem wöchentlichen Fernsehprogramm Bericht erstattete. Mittlerweile hat das Fest der Buñoleser "Interés Turístico Internacional" erlangt und verfügte im letzten Jahr bereits über einen eigenen Hitsong: "Todo es del mismo color", was soviel heisst wie "Alles hat die gleiche Farbe" und von der lokalen Rockband Malsujeto interpretiert wurde.

In diesem Jahr findet die matschig-rote Schlammschlacht am 26. August statt. Mehr Infos zum Thema auf der offiziellen Seite des Festes: www.latomatina.es

Esther Spari
Kommentar hinzufügen
Kommentar hinzufügen
In der gleichen Rubrik
An die Tomaten, fertig, los! (29.07.2009)
Frühlingsfest "Las Fallas" (2.03.2009)
La Catedral de la Almudena (28.01.2009)
Delikatessen und gastronomische Preise (14.06.2007)
Madrider Geschichte (10.05.2007)
[Touristik]
Neueste Artikel
"Lebendiger Treffpunkt im Zentrum Madrids" (21.12.2010)
Wenn spanische Funken sprühen...! (21.12.2010)
La Oreja de van Gogh (21.12.2010)
Héroes del Silencio (1984 – 1996) (14.10.2010)
Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 80 bis 100 Minuten - Basketball in Spanien (27.09.2010)
[Startseite]
Sección en español
[Sección en español]

Impressum
Redakteur werden
Editorial
Kommentare
Fotos
Rascacielos Es geht los
Auf ins Grüne Panorama Madrids
Videos
Die Straßen von Madrid
Tarife Werbung
Werbung




Startseite | Kleinanzeigen | Kontakt | Teilnahme an der Zeitung | Werbung

Copyright 2007-2014 MadriderZeitung.