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| (jmerelo/flickr) - Am Aschermittwoch wird in Madrid eine Sardine beerdigt. |
Das Fest "El Entierro de la Sardina" wäre ein solcher Brauch. Eine Sardine in schwarzem Spitzenkostüm sieht man schliesslich nicht alle Tage. Dabei gibt es diesen Brauch schon seit ungefähr 200 Jahren. Der Sage nach hat der damalige König Carlos III zum Aschermittwoch ein grosses Fest organisiert. Weil Fleisch als Zeichen der Enthaltsamkeit am Tag vor Beginn der Fastenzeit verboten war, liess Carlos III stattdessen tonnenweise Sardinen für das Fest anliefern. Ob der ungewöhnlichen Hitze oder der Unachtsamkeit der Lieferanten wegens waren die Sardinen jedoch ungeniessbar geworden. Um die übel riechende Fischfracht möglichst schnell los zu werden, entschloss man kurzerhand, sie unter der Erde zu begraben. Die Prozedur wurde zu so einem amüsanten Ereignis, dass man im folgenden Jahr beschloss, sie mit einer einzelnen Sardine zu wiederholen.
Trauernde Architekte nahmen sich der Sardine an
Schon bald formte sich eine Gruppe, die sich für die jährliche Prozession verantwortlich fühlte, und sich um die Vorbereitung des immer bekannter werdenden Festes kümmerte. Die Gruppe mit dem Namen "La Cofradia del Entierro de la Sardina" besteht heute aus 57 Mitgliedern aus den unterschiedlichsten Bereichen: Doktoren, Architekten, Ingenieure, Künstler. Auch einige Antiquitätenhändler, wie z.B. der momentane Vorsitzende, Antonio Hidalgo, sind dabei. Sogar der Maler Francisco de Goya hat im Jahre 1814 dem Fest ein Bild gewidmet, welches momentan in der Kunstakademie de San Fernando in Madrid zu betrachten ist.
Ein Fisch im Holzsarg
Heutzutage ist die Prozession fester Bestandteil der spanischen Karnevalskultur und wird über Madrid hinaus besonders spektakulär auf den Kanaren, in Katalonien und an der Costa del Sol in Murcia zelebriert. In der Hauptstadt trifft sich zuerst die Trauergruppe "La Cofradia" mitsamt Sardine in extra angefertigtem Holzsarg auf ein Glässchen Wein mit dem Bürgermeister, bevor abends der eigentliche "Trauermarsch" beginnt. Jährlich sehen an die 15.000 Leute fähnchenschwingend dem eigensinnigen Ereignis zu, während die Trauernden von Musik begleitet durch die Strassen ziehen und den Kindern Süssigkeiten zuwerfen. Der Marsch endet in Fuente de los Pajaritos in Casa del Campo, wo dann die eigentliche Beerdigung gegen 21.30 Uhr stattfindet.
Das Kostümgeheimnis
Mit Ausnahme der Zeit des Bürgerkriegs und der ersten Jahre unter Franco, der Karneval generell verboten hatte, wurde die Prozession jedes Jahr erneut durchgeführt. Wer sich das ungewöhnliche Ereignis nicht entgehen lassen, und die letzten Momente der Sardinenbeerdigung miterleben möchte, kann dies am kommenden Aschermittwoch, 25. Februar 2009, tun. Wer weiss, mit ein bisschen Glück lässt sich sogar ein Blick in den von lokalen Künstlern angefertigten Sarg erhaschen. Das Kostüm der verstorbenen Sardine ist doch, seien wir ehrlich, die eigentliche Attraktion!
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