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| (Johanna Voigt) - Die Trommler vom Retiro |
Eine Möglichkeit, die Woche ganz entspannt ausklingen zu lassen, bietet der Retiro-Park (U-Bahn Retiro, Linie 2) am Sonntag. Ab dem späten Nachmittag verwandelt sich der Platz um das Denkmal von Alonso XII in den Treffpunkt der alternativen Szene von Madrid. Viele junge Leute kommen Woche für Woche hierher, ausgestattet mit Fußbällen, Bongos und Jonglierbällen. Ab ca. 16 Uhr füllt sich der Platz am künstlich angelegten See mit immer mehr Menschen. Gemeinsam wird getrommelt, getanzt, geraucht, getrunken oder einfach nur geredet. Neben den Hippies finden sich auch Vertreter des Hip Hops, Altrocker oder eben ganz "Normale".
Ein bisschen erinnert die Atmosphäre an ein Freilicht-Theater: Links spielen ein paar Leute Hacky-Sack, als ginge es um den Weltmeistertitel, daneben gibt ein Pärchen eine beeindruckende, wenn auch auf manche etwas befremdlich wirkende Tanzeinlage und gegenüber scheint ein Wettstreit entfacht zu sein, wer am lautesten auf seiner Bongo trommeln kann. Sobald es dann dunkel wird, holen einige ihre Feuerpois (in Lampenöl getränkte Stoffe, befestigt an langen Ketten) heraus und wirbeln sie wild durch die Luft.
Was sich liest, wie die Darbietung eines Wanderzirkus, ist in Wirklichkeit das ungezwungene Zusammensein von einem bunt gemixten Haufen Leute, die alle gerade das machen, worauf sie Lust haben. Auch die manchmal etwas irritierten Blicke der "guiris" (Touristen) verunsichern sie nicht dabei. Ganz nach dem blumigen Motto "leben und leben lassen" wird das Geschehen stets von Marihuana und Dosenbier begleitet, was unweigerlich dazu führt, dass die Guardia Urbana (Stadtpolizei) den Park den einen oder anderen Tag aufsucht. Nichtsdestotrotz sollte man sich davon abhalten lassen, sich selbst einmal ein Bild zu machen. Unbeschwerter geht es nämlich fast nirgends in Madrid zu.
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