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| (Quelle: Madrider Zeitung) - Schlange stehen vor der "Loteria de Navidad" |
Es ist schon von weitem zu erkennen - um die Straßenblöcke in unmittelbarer Nähe schlängelt sich eine unendlich lange Menschenmasse, die sorgfältig in Reih und Glied steht. Die Metro-Haltestelle Diego de León mit der anliegenden Ausländerbehörde Comisaría General de Extranjeria y Documentacion ist berüchtigt für ihre Menschenschlange. Der Eingang ist wohl das größte öffentliche Wartezimmer der Stadt. Wer hier steht, braucht den Tag keine Beschäftigung mehr.
Andere stehen Schlange, um Sandalen zu kaufen. Ja, das gibt es. Bratende Hitze auf dem Kopf und im Genick spielen in diesem Fall eine untergeordnete Rolle. Am Ende des Tages zählen: bunte Schuhe auf braunen Füßen. Das ist kein Eintagsphänomen.
Im Herbst ändern sich die Motive – die Wartezimmermentalität bleibt. Da stehen sich die Madrider vor den Bücherläden die Beine in den Bauch. Das gibt es in Deutschland nur bei Sonderverkäufen. In Madrid wartet man stattdessen für Schulbücher.
¿ Wer ist der Letzte?
Drängler haben keine Chance in den Madrider Schlangen. Wer versucht diese Konvention zu umgehen, wird böse Blicke und Anstandsbelehrungen über sich ergehen lassen müssen. Sind die meisten Spanier ansonsten heiter und zuvorkommend, so kennen sie in diesem Punkt kein Pardon. Beim Anstellen herrscht Disziplin. Wer nicht weiß wohin, sollte nach dem Letzten in der Reihe fragen. Quién es el último?
Liebe zur Warterei
Schlangen gibt es nicht nur an Bushaltestellen und vor guten Coffee-to-go-Häuser. Die Liebe zur Warterei bringt die Madrider sogar dazu, sich vor diversen Mobilfunkanbietern und Fleischtheken im Supermarkt anzustellen. Auch bei einem Besuch im Hard Rock Cafe kann es vorkommen, dass man sich kurzfristig in einer Reihe wiederfindet, bevor ein Tisch frei wird.
Die Schmerzgrenze ist für den Deutschen meist erreicht, wenn entweder die Schlange von vornherein zu lange ist oder wenn nach einer Viertelstunde kein Einziger einen Schritt gemacht hat. Man entfernt sich motzend.
Spanier sind sehr geduldig. Wer sich in die Reihe stellt, kennt das Spiel. Mund zu und warten oder gehen. Die Einzigen, die aus der Reihe tanzen sind entweder Touristen oder neu in der Stadt.
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