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| (Justin P. für MadriderZeitung.com) - Schmutzige Ecke mitten im Zentrum Madrids. |
In fast jeder kleinen Seitenstrasse, an jeder zweiten Ecke, an jeder dritten Mülltonne steigt er einem in die Nase: dieser beissende, penetrante, manchmal leicht süssliche Geruch. Die verzweifelten Versuche, den Atem anzuhalten, schnell weiterzueilen und das Übel hinter sich zu lassen, scheitern kläglich. Entkommen ist aussichtslos. Denn er ist überall.
Der Gestank nach Urin. Nach Urin, Bier und, wenn man Pech hat, nach Erbrochenem. Dies sind die Zustände im Zentrum Madrids. Und jetzt, wo der Sommer richtig begonnen hat, die Sonne fast täglich scheint und die Temperaturen auf über 30 Grad ansteigen, wird es noch schlimmer.
Es ist schon fast Selbstgeisselung, an einem heissen Mittag durch die kleinen Seitenstrassen nahe der Puerta del Sol zu spazieren. Nicht nur, dass einen ständig dieser penetrante Geruch verfolgt. Man wird sogar unfreiwillig Zeuge der Auslöser dieser Plage: Männer, die scheinbar Spass daran finden, in jeden Winkel des Zentrums zu urinieren.
Selbst, wenn nur 20 Schritte weiter eine öffentliche Toilette steht: Die meisten (oft älteren) Männer bevorzugen die Rückseite des nahe gelegenen Kiosks, um sich zu erleichtern. Auch der im Schatten eines Lieferwagens gelegene Hauseingang oder die orange-graue Mülltonne werden gern als Pinkelbeckenersatz benutzt – Mann muss schliesslich sein Revier markieren.
Schuld sind Schmutzfinken - und die Stadt selbst
Kein Wunder also, wenn sich Bewohner des Zentrums in Internetforen wütend empören über die “schweinischen Zustände” im Zentrum und auf Bürgermeister Gallardón schimpfen, der nicht die notwendigen Massnahmen unternehme, um die Strassen zu säubern.
Und sie haben Recht. Die Stadt tut nicht genug gegen den Dreck.
Zwar schieben täglich die Reinigungskräfte ihre Müllkarren durch die engen Strassen des Zentrums und klauben mit ihren Schaufeln weggeworfene Zigarettenstummel, Bierdosen und Papierfetzen auf. Doch das beseitigt nicht den beissenden Gestank nach Urin, Bier oder sogar Erbrochenem. Die stinkenden Strassen müssten mit Wasser gereinigt, teilweise sogar geschrubbt werden, um sie wieder riechbar zu machen. Vereinzelt geschieht das zwar auch in vielbesuchten Teilen des Zentrums, doch längst nicht jede schmutzige Ecke wird so gereinigt.
Noch schlimmer gerät alles, wenn grosse öffentliche Fiestas zelebriert werden. Bei den diversen Veranstaltungen am zweiten Mai zum Beispiel, wo die Bars ihre Tresen ins Freie verlegten und keine Gäste in die Lokale hineinliessen. Da die Stadt viel zu wenig öffentliche Toiletten aufgestellt hatte, blieb vielen Feiernden nichts Anderes übrig, als in die Strassen zu urinieren. Dieser Uringeruch hält sich dann so lange in den Strassen, bis der nächste Regen ihn wegschwemmt.
Doch nicht nur die Stadt ist verantwortlich für den täglichen Ekel in den Strassen. Es sind vor allem die Stadtbewohner selbst, die keine Manieren haben oder einfach nur betrunken in jeden erdenklichen Winkel pinkeln. Etwas Respekt vor der grossen Mehrheit, die nicht in die Strassen pinkelt und nun den Gestank ertragen muss, wäre angebracht.
Doch diesen haben die Gestanksverantwortlichen nicht. Daher müssten die öffentlichen Ordnungskräfte durchgreifen und gegen die Strassenverschmutzer vehement Geldbussen aussprechen. Nur so lernen die Eckenpinkler und Reviermarkierer, sich zu beherrschen oder eine der (zugegeben etwas spärlich vorhandenen) öffentlichen Toiletten zu benutzen.
Dies ist allerdings nicht absehbar. Und so bleibt vielen Einwohnern nur das Warten auf den Regen. Und die Hoffnung, dass dieser ihre Hauseingänge von dem bestialischen Gestank befreit - wenn dies die Stadt schon nicht tut, dann eben die Natur.
Ach Madrid - schön magst du ja sein. Aber du stinkst zum Himmel.
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