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| (Katharina Bothe) - Sehr zufrieden: Nicolle Klinge an ihrem Arbeitsplatz in einem deutschen Verlag in Madrid. |
Was hat Sie dazu veranlasst eine Arbeitsstelle in Madrid zu suchen?
Ich stand vor der Situation mir in Berlin etwas Festes zu suchen. Der Arbeitsmarkt sah zu diesem Zeitpunkt jedoch schlecht aus. Da ich schon immer gerne im Ausland arbeiten und zudem mein Spanisch verbessern wollte, habe ich mich über eine Arbeit in Madrid informiert. Durch eine Annonce für Englischlehrer bin ich schliesslich auf Vaughan Systems gestossen.
Was waren speziell die Gründe für Ihre Bewerbung?
Vaughan Systems hat mir nicht nur die Möglichkeit geboten, im Ausland zu arbeiten, ohne die Sprache richtig zu beherrschen, sondern auch die Chance gegeben Englisch zu unterrichten, obwohl ich keine pädagogische Ausbildung habe. Diese Chance, in ein mir völlig neues Tätigkeitsfeld hineinzuschnuppern wollte ich mir nicht entgehen lassen. So habe ich mich beworben und bin auf eigenes Risiko zum Vorstellungsgespräch geflogen. Eine Zusage erhielt ich erst eine Woche später.
Das war sehr mutig, vor allem, da Sie in keiner Weise Sicherheit hatten, ob sie die Stelle auch wirklich erhalten. Hat sich der Mut ausgezahlt?
In jedem Fall. Als Lehrerin zu arbeiten war für mich eine sehr bereichernde und herausfordernde Tätigkeit. Man arbeitet nach anderen Massstäben als bei der Arbeit eines Übersetzers. Hundertprozentige Präsenz und absolute Professionalität vor den Firmenmitarbeitern war gefordert. Insgesamt habe ich viel gelernt und respektiere heute den Beruf des Lehrers umso mehr.
Können Sie etwas zu ihrem Arbeitsalltag und den Kontakt zu ihren spanischen Schülern sagen?
Ich bin täglich zu den Unternehmen in und um Madrid gefahren und habe vor Ort die Mitarbeiter unterrichtet. Das war natürlich sehr interessant, da man ständig mit unterschiedlichen Menschen in Kontakt kam und nicht nur am Schreibtisch sass. Gerade der Kontakt zu Spaniern war für mich sehr reizvoll. Die spanische Mentalität habe ich sofort als sehr sympatisch empfunden. Auch war die Lernbereitschaft allgemein hoch und das Arbeitsklima insgesamt sehr positiv.
Dennoch haben sie im April die Arbeit gewechselt. Warum?
Der Lehrerberuf war sehr anstrengend. Mit 22 Unterrichtsstunden pro Woche und der Vor- und Nachbereitung des Unterrichts hatte ich kaum Freizeit. Bei Vaughan Systems arbeitet man als Freelancer, das heisst: Die Krankenversicherung wird selbst getragen und nicht zu arbeiten bedeutet keine Einkünfte. Hinzu kam, dass ich natürlich hauptsächlich Englisch sprach und mein Spanisch auf der Strecke blieb; insbesondere, weil man isoliert von Kollegen war. Jedoch bin ich nur durch Zufall auf die Internet-Anzeige eines deutschen Verlags für eine Stelle in der Vertriebsabteilung hier in Madrid gestossen.
Und dann haben Sie sich dort beworben...
Genau. Das ganze Bewerbungsverfahren ist deutlich unkomplizierter als in Deutschland. Ich habe eine Email mit meinem Lebenlauf geschickt und wurde bereits in der gleichen Woche zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Einige Wochen später musste ich eine Arbeitsprobe absolvieren und wurde schliesslich genommen.
Hatten Sie dort die Möglichkeit ihr Spanisch zu verbessern?
Auf jeden Fall. Einmal durch meine Arbeit an sich, die zum Teil auf Spanisch war- ich habe unter anderem Marktanalysen erstellt und Datenbanken aktualisiert - und dann natürlich durch die Gespräche mit meinen Mitarbeitern, die alle Spanier waren. Wir hatten ein offenes Büro, indem insgesamt fünf Leute zusammen gearbeitet haben. Das war für die Kommunikation sehr hilfreich.
Wie würden sie die Arbeitsatmosphäre und den Umgang zwischen den Mitarbeitern beschreiben?
Sehr positiv und sehr entspannt. Ich konnte jederzeit etwas fragen. Meine Mitarbeiter waren geduldig und hilfsbereit, auch weil die allgemeine Stimmung sehr entspannt war. Es wurde viel gelacht und Spass gemacht. Da wird lieber länger gearbeitet, aber dafür sich auch mal amüsiert. Das ist nicht nur stures Arbeiten, wie man es oft in deutschen Büros zu sehen bekommt.
Sind Ihnen weitere Unterschiede zwischen der deutschen und spanischen Arbeitsweise aufgefallen?
Ja schon. Das sollte man aber nicht pauschalisieren. Es wurden zum Beispiel Meetings zwei bis dreimal verschoben. Dabei handelte es sich um Besprechungen bezüglich Tests neuer Märke. Insgesamt herrschte mehr Gelassenheit auch wenn es mal brenzlig zuging. Spanier arbeiten schon ein bisschen anders.
Haben Sie sich mit den Mitarbeitern auch ausserhalb der Arbeit getroffen?
Ja, ich hatte Glück und habe mich auch privat sehr gut mit meinen Mitarbeitern verstanden. Weitere Kontakte habe ich über studivz, und auch Erasmus bekommen. Auch habe ich mir selbst Tandems/ Intercambios gesucht. Man muss in einer Stadt wie Madrid einfach etwas Eigeninitiative und Offenheit mitbringen und man hat die Möglichkeit viele interessante und unterschiedliche Menschen kennenzulernen.
Wie hat es Ihnen gefallen in einer Stadt wie Madrid zu leben und zu arbeiten?
Wirklich sehr gut. Ich komme ja aus Berlin und ich finde, die Städte ähneln sich sehr. Sie sind jung und offen, gleichzeitig ordentlich und stilvoll. Madrid ist für mich eine Weltstadt und hat kulturell unheimlich viel zu bieten. Ich habe es geliebt, in meiner Freizeit die lange Promenade des Paseo Castellana entlangzuspazieren oder mich mit meinen Freunden im Retiro zu treffen. Diesen tollen Park werde ich sehr vermissen.
Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Jetzt geht es erstmal zurück nach Berlin, aber Madrid hat mir auf jeden Fall Lust auf Mehr gemacht. Ich möchte meine Neugier auf das Leben stillen, ob in Hamburg, Paris oder New York. Natürlich möchte ich auch gerne eine Familie gründen – und weiterhin das Leben geniessen, wie die Spanier es können.
Vielen Dank für das Gespräch.
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