Ein Freund von mir, Immigrant aus Kamerun, ist heute auf sehr unerfreuliche Weise in den Genuss der "staatlichen Gesundheitsfürsorge" gekommen:
Ihm fehlen die beiden oberen Schneidezähne, und eine der "Asociaciones", der Verbände, die sich um die Belange von Immigranten, die noch keine Aufenthaltsgenehmigung haben, kümmern, hatte ihn an eine Klinik vermittelt, damit ihm dort eine Prothese gemacht werden sollte.
Der Termin wurde auf heute, Samstag, angesetzt. In der Klinik angekommen, warteten dort bereits viele andere Immigranten auf eine Behandlung. Als die Reihe an ihn kam, sah sich mein Bekannter nicht etwa einem Zahnarzt, sondern einer Gruppe von Studenten der Zahnmedizin gegenüber. Man erklärte ihm schlichtweg, einer seiner Backenzähne sei nicht mehr gut, und man werde ihm ihn ziehen.
Mein Bekannter wunderte sich sehr, da er bisher mit diesem Zahn nie auch nur die geringsten Probleme gehabt hatte und da er auch gesund aussah, aber da man ihm versicherte, es sei notwendig, ließ er es schließlich geschehen. Der Zahn saß wohl sehr fest, und eine große Wunde musste zu Ende der vielfältigen Operationsversuche, die volle zwei Stunden dauerte, genäht werden. Dann entließ man ihn. Auf Anfrage, wann man sich denn nun um die fehlenden Schneidezähne kümmern werde, hieß es, er werde angerufen.
Ein Schmerzmittel bekam mein Bekannter auch nicht mit, das sollte er sich in der Apotheke selbst besorgen. Als Immigrant ist er jedoch mittellos - er musste sich daher zehn Euro leihen, um sich in der Apotheke (unter Tränen aufgrund der höllischen Schmerzen) Schmerztabletten besorgen zu können.
Ich frage mich, welches Abkommen die Asociaciones, die mit der spanischen Regierung zusammenarbeiten, wohl mit solchen Zahnkliniken in Bezug auf Behandlung von Zuwanderern, die noch auf ihre Aufenthaltsgenehmigung warten, haben mögen. Für mich siehr das Ganze sehr danach aus, als ob solche Immigranten als Übungsobjekte für Zahnmedizin-Studenten auf skandalöse und menschenverachtende Weise missbraucht werden. Praktisch rechtlos hätten die Opfer später keinerlei Möglichkeit, gegen solche Praktiken vorzugehen.
Was bleibt ist Sprachlosigkeit und Ohnmacht angesichts dessen, was ich von meinem Bekannten heute erfuhr und die Hoffnung, dass es irgendwann irgendjemanden gibt, der solch seltsamen Vorkommnissen möglicherweise mal auf den Grund gehr.
Mit freundlichen Grüßen
K. Neumann |