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| (Real Academia Española) - Ausschnitt des Titels der ersten Ausgabe (1726) des "Diccionario de Autoridades" |
Von einer Sprache anzunehmen, sie wäre eine klar umrissene Einheit, wäre töricht. Sie ist trotz aller etablierten Regeln einem steten Wandel durch äußere Einflüsse und Launen der Sprecher unterworfen. Die gesprochenen Sprachen verfügen heutzutage zwar größtenteils über ein ausdifferenziertes Regelwerk, doch auch die damit einhergehende Fixierung der Mundart fand in Europa erst vor kurzer Zeit statt. Im Zusammenhang mit dem Buchdruck waren die Verleger daran interessiert ihr Druckwerk zu verbreiten. Nachdem die relativ kleine Schicht der lateinischsprachigen Abnehmerschaft bedient war, lag es nahe, auch in den jeweiligen Volkssprachen zu publizieren. Zwar waren zu dieser Zeit nur die wenigsten Menschen alphabetisiert, doch stellten sie für die Betreiber der Druckerpressen einen nicht zu vernachlässigenden Absatzmarkt dar. Die Alphabetisierungsrate in der mitteleuropäischen Region lag im 15. Jahrhundert zwischen einem und vier Prozent der Gesamtbevölkerung und um 1800 im deutschsprachigen Raum bereits bei 50 Prozent. Ein schnell wachsender Markt also.
Mit der breiteren Zugänglichkeit von Schriftstücken rückte das Bewusstsein für Sprache in den Fokus der Aufmerksamkeit. Zunehmend entstanden lexikalische Werke und Wörterbücher, womit versucht wurde das luftige Medium Sprache analytisch zu fassen. In fast allen europäischen Ländern gründeten sich Institutionen, die sich mit den sprachlichen Besonderheiten der eigenen Sprache beschäftigten. So wie in Frankreich die Académie française, gegründet 1635 oder in Italien die Accademia della Crusca italiana. Im Gegensatz zu den traditionsreichen Sprachinstitutionen der europäischen Nachbarstaaten ist das deutsche Pendant, das Goethe Institut, sehr jung. Gerade erst feierte es seinen 50. Geburtstag. Die spanische Variante dieser Institutionen ist die "Könglich Spanische Akademie", sie wurde 1713 gegründet. Ihr Motto aus der Gründerzeit lautet: „Sie reinigt, festigt und verleiht Glanz“ (limpia, fija y da esplendor). Gemeint ist die spanische Sprache, die gereinigt, gefestigt und zum glänzen gebracht werden soll.
Eine allgemeine Regelung der Orthographie des Spanischen entstand erstmals 1726 mit dem "Diccionario de Autoridades". Dieses Lexikon sollte, getreu dem Motto der Akademie, die Reinheit der spanischen Sprache sicherstellen. Zu den einzelnen Regeln, die in dem Werk formuliert sind, werden beispielhaft Zitate von Schriftstellern und Literaten angeführt, um die Vorschriften zu untermauern. Daher leitet sich auch der Name des Lexikons ab: das "Wörterbuch der Meister". Als Meister werden die anerkannten Schriftsteller aus dem "Goldenen Zeitalter" bezeichnet. Die ersten Akademiemitglieder glaubten, dass sich in jener Zeit die spanische Sprache auf ihrem absoluten Höhepunkt befand, den es zu erhalten und zu restaurieren galt. Auch heute verlegt die Königlich Spanische Akademie die maßgeblichen Werke der spanischen Rechtschreibung und Grammatik.
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